Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Im Dienst der Tradition des Hauses Wettin und der angestammten Heimat Sachsen

Autobiographischer Abriß



 
 

Als Angehöriger des Hauses Wettin-Albertinische Linie wurde ich bereits in meiner Jugendzeit durch meinen hochverehrten Vater Prinz Friedrich Christian von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meißen (1893 - 1968) mit der Geschichte meiner Familie und deren engen Verbindungen zu Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt vertraut gemacht. Darüber hinaus weckte er in mir durch zahlreiche Ferienfahrten und Exkursionen die Liebe zur deutschen Geschichte und Kultur insgesamt. Das bewährte sich in besonderer Weise, als ich nach meinem Abitur in Bregenz 1954 die Idee aufnahm, zunächst Nationalökonomie und dann Geschichte und Volkskunde zu studieren. Dabei möchte ich noch bemerken, daß in meiner Gymnasialzeit Geschichte und Geographie meine Lieblingsfächer waren. Beide Wissensgebiete wählte ich auch für die mündliche Reifeprüfung am Bundesgymnasium in Bregenz im Sommer 1954.

Unmittelbar vor Beginn meines Universitätsstudiums seit 1955 in München zogen meine Eltern und Geschwister mit uns von Bregenz in die bayerische Landeshauptstadt München wo wir durch Unterstützung unserer Thurn und Taxis'schen Verwandten in Regensburg nach über 10jähriger Trennung als Folge des Zweiten Weltkrieges eine neue Heimat fanden. Gerne erinnere ich mich noch an die vielfältigen Anregungen, die ich in diversen Vorlesungen, Übungen und Seminaren an der Ludwig Maximilians-Universität zu unterschiedlichsten Perioden der bayerischen, deutschen und europäischen Geschichte erhielt. Da aber in fast keiner dieser akademischen Veranstaltungen Sachsen direkt behandelt wurde, bemühte ich mich vor allem in Seminaren Themen zu bearbeiten, die mir profunde Kenntnisse sächsischmitteldeutscher und wettinischer Geschichte vermitteln konnten. In diesem Zusammenhang möchte ich besonders an Seminare meiner Lehrer Prof. Dr. Hans Rall und Prof. Dr. Karl Bosl erinnern.

Bei beiden Dozenten bearbeitete ich Seminarthemen aus dem Bereich der neueren sächsischen Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Verbindungen von Bayern und Sachsen. So wählte ich beispielsweise bei Prof. Rall die beiden großen Revolutionen des 19. Jhs. 1830/31 und 1848/49 in Sachsen. Das gewährte mir die Möglichkeit, mich auch in die Problematik der damaligen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zu vertiefen. Daraus entstand für mich auch die entscheidende Anregung, mich in meiner Doktor-Arbeit mit der ereignisreichen Epoche meines Ur-Ur-Großvaters König Johann von Sachsen zwischen 1854 und 1873 zu beschäftigen. Dieser war wohl einer der bedeutendsten Vertreter der Albertinischen Wettiner im 19. Jh. überhaupt. Schnell begriff ich dessen überragende Bedeutung als Kenner der Sozial- und Wirtschaftspolitik, weswegen ich mich vorwiegend mit diesem Abschnitt seines bedeutsamen Lebenswerkes auseinandersetzte. Dabei stieß ich auf das bis dahin nur wenig bekannte Thema der sächsischen Gewerbegesetzgebung, das schließlich 1861 zum ersten modernen Gesetzgebungswerk dieser Art in Deutschland überhaupt führte. Dieses Reformgesetz beinhaltete nicht nur Vorschriften zur gewerblichen Neuorientierung, sondern auch grundlegende wirtschaftliche und soziale Fragen, die auf Grund der verstärkten Industrialisierung Sachsens und des gesamten mitteldeutschen Raumes seit Beginn des 19. Jhs. einer dringenden Lösung bedurften. Zum Verständnis dieses Gewerbegesetzes war natürlich eine genaue Kenntnis des Werdegangs der "Industriellen Revolution in Sachsen notwendig, weshalb ich die mir zur Verfügung stehenden Quellen und Publikationen eingehend studierte. Deswegen erschien es mir wichtig, die entstehende "Soziale Bewegung" in Sachsen zu bearbeiten. Damit näherte ich mich einem Thema, das während der gesamten Zeit der DDR für die Ideologie der SED eine große Rolle spielte, aber bisher nur in theoretischer Hinsicht behandelt wurde. Da aber diese "Soziale Bewegung" maßgeblich zur Reform der Gewerbegesetzgebung beitrug, wurde sie mit Ausnahme einer Dissertation von 1914 nur wenig beachtet. Sie trug aber grundlegend zur Entstehung des Gewerbegesetzes von 1861 bei.

Unter dem Thema "Die Reform der sächsischen Gewerbegesetzgebung (1840 - 1861)" wurde diese Arbeit bei Prof. Dr. Karl Bosl durch die philosophische Fakultät der Universität München angenommen. Nach Ablegung einer zusätzlichen mündlichen Prüfung aus den Gebieten "Landesgeschichte", "Neue Geschichte" und "Volkskunde" konnte ich am 13. Febr. 1961 als einziger männlicher Wettiner der Albertinischen Linie seit der Promotion meines verehrten Vaters in Köln den Titel eines Dr. phil. erwerben; auf diesen akademischen Grad bin ich noch heute stolz und achte denselben höher als meinen ererbten Familiennamen, obwohl ich auch die damit verbundene Tradition gleichsam als enges Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart verstehen möchte. Damit ist für mich mein Familienname "Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen" mit neuem Inhalt und Leben versehen. Aus dieser Wissenschaft liehen Betätigung entstand ferner eine enge persönliche - ich möchte fast sagen - Freundschaft zu meinem hochverehrten Doktorvater Prof. Dr. Karl Bosl, die bis zu dessen Tod andauerte.

Schon während meiner Studienzeit versuchte ich, meine neu erworbenen wissenschaftlichen Kenntnisse auch in der Praxis anzuwenden. Zu diesem Zweck gründete ich gemeinsam mit meinem hochverehrten Vater Prinz Friedrich Christian und meinem ältesten Bruder Maria Emanuel am 30. Januar 1961 im Wirtschaftsgeschichtlichen Institut der Universität München die noch heute bestehende "STUDIENGRUPPE FÜR SÄCHSISCHE GESCHICHTE UND KULTUR e.V." An der Gründungs Versammlung nahmen auch Vertreter der sächsischen Landsmannschaften und anderer Traditionsverbände teil. Seit diesem Zeitpunkt konnte ich meine an der Universität gewonnenen Erfahrungen an Landsleute aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, die in der Region München lebten, weitergeben. Das geschah in zahllosen Einzelvorträgen, Wochenend-Tagungen, Seminaren oder Führungen zu Kunstdenkmälern, die ich zunächst in Bayern begann und später auch vielfach auf das übrige Bundesgebiet ausdehnen konnte. Wiederholt wurde ich auch als Referent verpflichtet.

Daneben boten mir zusätzlich die Volkshochschulen in Bayern und Österreich Möglichkeiten, zusätzliche Kenntnisse über das damals noch geteilte Deutschland zu vermitteln. Dazu kamen aktive Mitarbeiten in der ehemaligen Bundeslandsmannschaft Sachsen und dem einstigen Bund der Mitteldeutschen, dessen Kulturreferent und zeitweiliger stellv. Vorsitzender ich bis zur Auflösung 1990/91 als Folge der deutschen Wiedervereinigung war. Mein Bestreben ging in erster Linie dahin, den vielen aus Sachsen-Thüringen und dem übrigen Mitteldeutschland als Folge des Zweiten Weltkrieges im alten Bundesgebiet ansässig gewordenen Landsleuten eine Brückenstellung zwischen alter und neuer Heimat zu vermitteln, d.h. das Gefühl zu geben, sie könnten sich auch im freien Teil Deutschlands zu Hause fühlen.

Auf diese Weise begann ich mich auch mit den damals nur unzureichend wissenschaftlich behandelten Verbindungen zwischen Bayern und Sachsen zu beschäftigen. Mit Hilfe von Einzelvorträgen, Seminaren und Publikationen in Form von Aufsätzen konnte ich Themen aus dem Gebiet der vergleichenden Landesgeschichte zwischen dem südlichen Teil Mitteldeutschlands und Bayerns vorzugsweise im Rahmen der Münchner Volkshochschule aufgreifen. Dabei dienten Diapositive und musikalische Einlagen zur Auflockerung des gesprochenen Wortes. Im einzelnen handelte es sich um folgende geschichtliche, kulturelle, künstlerische, wirtschaftliche und musikalisch orientierte Themenbereiche:

  1. Die Beziehungen zwischen Altbayern, Schwaben und Franken zu Sachsen, Thüringen in mehreren Einzelvorträgen und Führungen.
  2. Die Wettiner und die Wittelsbacher in ihren wechselseitigen Kontakten.
  3. Die Weltbedeutung des Meißner Porzellans.
  4. Die Barockkultur in Bayern und Sachsen
  5. Die Musikstädte Dresden, Leipzig, Berlin und München in vergleichender Betrachtungsweise.
  6. Die Sehenswürdigkeiten kultureller Art in München und der Region in ihren Verbindungen zur gesamtdeutschen Kultur mit Einführungsvorträgen und Führungen.
  7. Volksbrauchtum und Volkskunst in Bayern und Sachsen.

Bis zu seinem Tode am 9. August 1968 wurde ich durch meinen Vater Prinz Friedrich Christian und später durch meine hochgeschätzte Mutter Prinzessin Elisabeth Helene - beide waren Ehrenvorsitzende der STUDIENGRUPPE - aktiv unterstützt. Wenige Monate vor seinem plötzlichen Hinscheiden in Samedan/Oberengadin sagte mir mein Vater nach einer Vortragsfahrt zu den Ammerseer Heimatfreunden wörtlich:

"Jetzt kann ich ruhig sterben, weil ich weiß, daß es weitergeht."

In ähnlicher Weise äußerte sich auch mein Onkel, Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, der letzte Bewohner von Schloß Moritzburg bei Dresden. Das war für mich ein Auftrag, den ich noch immer in ihrem Sinn, zu erfüllen trachte.

Von meiner Mutter Elisabeth Helene weiß ich zu berichten, daß sie mich nach dem Tode von Prinz Friedrich Christian in Liebe und Anhänglichkeit zu fast allen wichtigen Vortragsveranstaltungen und Seminaren begleitete. Ich hatte sie nämlich gebeten, sich nach dem 9. August 1968 nicht in ihre vier Wände einzuschließen, sondern mit mir gemeinsam alle öffentlichen Verpflichtungen wahrzunehmen. Das erfüllte sie fast bis zu ihrem Lebensende am 22. Okt. 1976. Persönlich nahm ich die ehrende Aufgabe wahr, meiner Mutter in der Trauerveranstaltung der STUDIENGRUPPE für ihre Aufgabe, als Ehrenvorsitzende und darüber hinaus für alle Aktivitäten in und für Sachsen zu danken. Dies tat ich auch, als ich 1995 mein zweites Buch "Die Wettiner in Lebensbildern" schrieb und ihrem Wirken ein eigenes Kapitel widmete.

Seit unserer Verlobung und vor allem seit unserer Hochzeit am 12.4.1980 in der Theatinerkirche München ist mir auch meine liebe Ehefrau Elmira eine wichtige wissenschaftliche Assistentin und Hilfe bei der großen Zahl von Verpflichtungen der Beantwortung von einschlägigen Briefen, der Ausarbeitung von wissenschaftlichen Aufsätzen und der Verfassung von Büchern zur Geschichte des Hauses Wettin, der Länder Sachsen und Thüringen, sowie volkskundlicher Arbeiten wie z. B. die Publikation zum Thema "Weihnacht in Sachsen".

Auch die neueste Publikation - "BAYERN & SACHSEN. Gemeinsame Geschichte, Kunst, Kultur und Wirtschaft" - wurde durch sie wesentlich mitgestaltet, wofür ich ihr neben meinem Mitautor Prof. Dr. Walter Beck und dessen Familie großen Dank schulde. Bei dieser Gelegenheit ist noch zu erwähnen, daß in dieses umfangreiche Werk fast alle Vorarbeiten zum Themenbereich "Bayern und Sachsen" Eingang fanden.

Dasselbe gilt auch für die aufopfernde Unterstützung meiner vielfältigen Aufgaben in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, sowie bei der Bewältigung der zahlreichen Probleme mit unseren Restitutionsforderungen in Sachsen seit der politischen Wende 1989/90.

Schon vor der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes bestand in mir der Wunsch, nach langen Jahren des Exils im Westen Deutschlands endlich meine Stammheimat Sachsen wenigstens zu besuchen und historische Stätten der Geschichte meiner Familie in Dresden und Umgebung kennenzulernen. Anläßlich des Aufenthaltes von Bischof Gerhard Schaffran aus Dresden in München zum Benno-Fest kam es zu einem ersten Kontakt mit diesem bedeutsamen Kirchenvertreter, der auch am Festgottesdienst im Münchner Liebfrauendom am 16. Juni 1982 mitwirkte. Meine Frau Elmira und ich suchten ihn nach Ende der Festmesse zu einem kurzen Gespräch in der Domsakristei auf. Dabei betonte Bischof Schaffran:

"Es ist jetzt für uns notwendig, endlich Kontakt mit unserer angestammten Heimat Sachsen aufzunehmen."

Wir nahmen diese Anregung positiv auf und besuchten noch im Sommer 1982 erstmals nach Kriegsende in Begleitung eines sächsischen Bekannten unsere sächsische Heimat, die mit einem Besuch in Dresden einen Höhepunkt fand. Trotz schikanöser Kontrollen durch DDR-Grenzbeamte in Rudolstein/Hirschberg freuten wir uns, endlich thüringisches Gebiet erreicht zu haben. Nach fast 40jähriger Unterbrechung überquerten wir mit dem Auto bei Crimmitschau die Grenze zu Sachsen. Mich befiel dabei ein Gefühl, das nicht zu schildern ist, weil ich erstmals nach meiner Jugendzeit das Land meiner Vorfahren aufsuchen konnte. In Dresden, Meißen und Bautzen, sowie den Abteien St. Marienthal und Marienstern beschränkten wir uns ausdrücklich auf Kontakte mit kirchlichen und kulturellen Einrichtungen.

1983 und 1985 folgten weitere Besuche in unserer sächsischen Heimat. Im letztgenannten Jahr 1985 nahmen meine Gemahlin und ich an einer Studienfahrt mit der Volkshochschule Coburg durch ehemals wettinische Territorien in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt teil. Auf diese Weise konnten wir Kunstdenkmäler kennenlernen, die uns bisher nur aus Bildbänden, Postkarten, Diapositiven und historischen Veröffentlichungen bekannt waren. Besonders beeindruckt waren wir, als wir während unseres Dresden-Aufenthaltes erstmals die Dresdner Staatsoper mit einer Aufführung von "Cosi fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart erleben konnten. Aus uns nicht genau bekannten Gründen, die wahrscheinlich politischen Ursprungs waren, erhielten wir 1985 bis zur Wende 1989/90 ein Einreiseverbot in die DDR. Jedenfalls konnten wir vor einiger Zeit auch unsere Stasi-Akte einsehen, die mit vielen Photos versehen war. Leider hatten wir daraus keine Rückschlüsse auf unsere Ablehnung zur Reise in die DDR entnehmen können.

Nach der Wiedervereinigung 1990 konnten wir unsere gemeinsamen Interessen und gewonnenen Erkenntnisse auch in unsere sächsisch-mitteldeutsche Heimat tragen. Gerne denken wir noch daran, daß wir am 2./3. Januar 1990 erstmals seit Beendigung der deutschen Teilung wieder in Dresden weilen durften. Dabei begleiteten uns mehrere Freunde aus München und Würzburg. Neben der Besichtigung der einstigen wettinischen Residenzstadt Dresden nahmen wir an einem unvergeßlichen Treffen mit den neu entstandenen politischen Parteien teil.
Dabei kam es zu einem lebhaften Gedankenaustausch und zu persönlichen Bekanntschaften, die auch später weiterwirkten.

Wenige Wochen später am 22. Januar 1990 konnten wir an einer der markanten "Montagsdemonstrationen" in Dresden teilnehmen. Es war uns unvergeßlich, als Tausende von Menschen mit Fackeln und Fahnen von der katholischen Hofkirche zum damaligen Fucik-Platz - heute Postplatz - zogen. Dabei ertönten Parolen wie: "Wir sind das Volk!", "Nieder mit der SED-PDS!" Plötzlich wurde ich per Lautsprecher aufgefordert, zu der in großer Anzahl versammelten Menschenmenge zu sprechen. Nach kurzer Beratung mit bayerischen Freunden entschloß ich mich, dieser Aufforderung Folge zu leisten, sprach allerdings nur wenige Sätze. Ich mußte mich gemeinsam mit meiner Frau und unseren Begleitern durch die Menschenmassen hindurchzwängen und hörte dabei wiederholt die Worte "Wird er es wagen, zu uns zu sprechen?" Die Woge der Begeisterung bewog mich zu folgenden Sätzen:

"Hoch lebe Sachsen, Deutschland, Europa und die christlich-abendländische Kultur."

Ich wies noch auf meine Aufgabe hin, dem neu entstandenen Land Sachsen zu helfen. Brausender Beifall schwoll uns entgegen. Vielfach sang die Menschenmenge: "So ein Tag, so wunderschön wie heute".

Anschließend daran wollten zahlreiche Teilnehmer dieser Montagsdemo Autogramme von uns haben. Wir drängten uns zur Trambahnstation Fucik-Platz durch und setzten uns auf eine der Bänke. Da ein großes Gedränge herrschte, baten wir einige junge Leute - offenbar Studenten - um Mithilfe bei der Herstellung der Ordnung. Einer reichte uns die entsprechenden Unterlagen, der andere gab sie an die Interessenten zurück. Ein weiterer Jugendlicher half uns mit Durchsagen mittels Megaphon. Die Anwesenden waren in Ekstase und wurden fast von den vorbeifahrenden Trambahnen überrollt. Daher waren wir mehr als froh, daß wir solch' aktive Helfer hatten.

Wenn ich heute auf dieses Ereignis zurückblicke, darf ich sagen, daß es sich in der Tat um einen Ausdruck des Volkswillens, zugleich aber auch um eine Willensäußerung in Richtung demokratischer Freiheit handelte. Es wäre schön, wenn sich auch heute noch das souveräne Volk in ähnlicher Weise zu Worte meldete.

Diese Ereignisse und meine folgende leider nicht erfolgreiche Kandidatur bei der DSU (Schwesterpartei der CSU) für ein Mandat im Landtag bzw. in beratender Stellung in der Regierung des neuen Freistaates Sachsen werden mir zeit meines Lebens unvergessen bleiben. Sie bedeuteten auch für das Haus Wettin insgesamt einen Höhepunkt, auf dem auch jüngere Mitglieder weiterbauen könnten.

Neben den angeführten Initiativen wurde ich 1972 auch Mitglied des "Mitteldeutschen Kulturrates e.V." in Bonn, heute "Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat". Ich gehörte von Anfang an dem Beirat an und vertrat dort zeitweise die Interessen des Landes Sachsen. Wichtiger aber wurde für mich die Tatsache, daß ich bis zur Auflösung der Schriftenreihe "Gedenktage des Mitteldeutschen Raumes" mit Kurzbeiträgen über die Wettiner in Sachsen und Thüringen mitwirken konnte. Darüber hinaus bearbeitete ich wiederholt Beiträge aus anderen Territorien Mitteldeutschlands, die teilweise bis nach Mecklenburg oder Brandenburg reichten, oft sogar in damals ehemalige Gebiete jenseits der heutigen deutschen Ostgrenze, soweit sie in Verbindungen zu Mitteldeutschland standen. Zu erwähnen ist noch, daß vor allem meine Beiträge über das Haus Wettin die Grundlage für meine beiden umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen

  • "Die Albertinischen Wettiner - Geschichte des Sächsischen Königshauses (1763 - 1932)" - bisher in drei Auflagen erschienen - und
  • "Die Wettiner in Lebensbildern"

darstellten. Für das letztgenannte Werk erhielt ich auch wertvolle Unterstützung bei der Auswahl von Bildern, die mir das Archiv in Bonn zur Verfügung stellte.

Im Rahmen des Mitteldeutschen Kulturrates konnte ich auch an der Publikationsreihe "Geschichte Mitteldeutschlands" aktiv mitwirken. Für die Einzelbände Sachsen und Thüringen erhielt ich den ehrenden Auftrag, die Beiträge über die Fürstenhäuser zu übernehmen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Schließlich unterstützte die Stiftung MKR in einzelnen Fällen Publikationen unserer "STUDIENGRUPPE", vor allem der "Blätter für Sächsische Heimatkunde" mit finanziellen Zuschüssen. Das galt beispielsweise für die Jubiläumsgabe der erwähnten "Blätter für Sächsische Heimatkunde" zum 30jährigen Bestehen 1961 - 1991; diese Publikation erschien im November 1991.

Diese Ausführungen zeigen, daß ich praktisch schon als junger Mensch entsprechend der Tradition des Hauses Wettin mit geschichtlichen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen Mitteldeutschlands vertraut wurde.

Auch in Zukunft wird es mein Bestreben sein, mich für die Erhaltung der gewonnenen Erkenntnisse - vor allem durch deren Vermittlung an die jüngere Generation einzusetzen. Durch vielfältige Kontakte mit Schulen, Studentenverbindungen und ähnlichen Bildungseinrichtungen sollte es gelingen, mein seit Jahrzehnten erworbenes Wissen an die jüngere Generation und die Einrichtungen der Erwachsenenbildung weiterzugeben. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, daß die jungen Menschen durchaus für die Ideale der europäisch-christlich-abendländischen Kultur zu begeistern sind. Wenn ich in der Vergangenheit und hoffentlich auch in der Zukunft gemeinsam mit meiner Frau einen Beitrag dazu leisten kann und darf, ist der Sinn unseres Lebens als Angehörige eines der ältesten deutschen und europäischen Fürstenhäuser erfüllt. Jedenfalls bin ich meinen verehrten Eltern, meinen Lehrern und vor allem allen Freunden, die mir mit Rat und Tat zur Verfügung standen, zu großem Dank verpflichtet. Sie haben mir hilfreich bei der Bewältigung aller damit zusammenhängenden Probleme eine wertvolle Unterstützung zuteil werden lassen.

München - Dresden, im August 2004

 

 

 
 

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